Sudetendeutscher Pressedienst (SdP)
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Wien, 1. April 2006
Die Delegierten der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich (SLÖ) gedachten anlässlich der 60-jährigen Wiederkehr der organisierten Vertreibung von über drei Millionen Sudetendeutschen aus der Tschechoslowakei und der etwa 250 000 Toten als Folge der fürchterlichen Exzesse 1945 und 1946 dieser Tragödie und verabschiedeten anläßlich ihrer in Wien am 1. April 2006 durchgeführten Bundeshauptversammlung folgende
E R K L Ä R U N G
Im Geiste der Europäischen Menschenrechtskonvention und der nach wie vor aktuellen „Kopenhagener Kriterien“ fordert die Sudetendeutsche Landsmannschaft in Österreich die Verwirklichung einer tatsächlichen Gleichberechtigung aller innerhalb der Europäischen Union lebenden Völker und Volksgruppen, und zwar auf der Grundlage des seit Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem von den Tschechen und Slowaken in Anspruch genommenen „Selbstbestimmungsrechtes aller Völker“.
Einen Europäischen Einheitsstaat, in dem nach wie vor national-chauvinistisch gelenkte Mitgliedsstaaten ihre autochthonen Minderheiten majorisieren und deren Selbstbestimmungs-recht mißachten, lehnen wir ab; dies gilt insbesondere für Mitgliedsstaaten, die während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg durch Massenmord, Vermögensraub und ethnische Säuberungen zu Lasten ihrer ethnischen Minderheiten einen Völkermord begangen haben und hiefür die Verantwortung bis heute nicht übernehmen wollen.
Unsere christlich-abendländische EU-Werteordnung kann nur auf den ethischen Prinzipien von Wahrheit und Gerechtigkeit unter den Völkern und Volksgruppen gegründet bzw. auf-recht erhalten werden. Allen Versuchen, begangene Menschen-und Völkerrechtsverbrechen durch Verfälschung historischer Tatsachen und zynische Geschichts-Relativierung recht-fertigen zu wollen und damit die Verbrechens-Opfer bis in alle Ewigkeit zu diskriminieren, muß zur Erhaltung der Glaubwürdigkeit unserer europäischen Wertegemeinschaft mit Entschiedenheit entgegengetreten werden.
Es ist daher höchst an der Zeit, daß die Tschechische Republik die als menschen-und völker-rechtswidrig inkriminierten „Übergangs-Dekrete“ ihres seinerzeitigen Staatspräsidenten Dr. Edvard Benes aus dem Jahre 1945 und das gegen alle Rechtsstaatlichkeit verstoßende „Straffreistellungs- bzw. Verbrechens-Rechtfertigungsgesetz“ Nr. 115 vom 8. Mai 1946 annulliert und im Sinne der Resolution des Amerikanischen Repräsentantenhauses Nr. 532 vom 13.10.1998 und der Aufforderung des Europa-Parlamentes vom 15.4.1999 die rechtlich und moralisch gebotene Wiedergutmachung leistet, damit endlich auch für die letzte, bis heute sträflich ausgegrenzte Opfergruppe der (von namhaften Völkerrechtlern verifizierten) tschechoslowakischen Nachkriegsverbrechen Rechtsfrieden hergestellt wird.
Identität und Zukunft eines Volkes bzw. einer Volksgruppe erwächst aus der wahrheitsgemäßen Historisierung der Vergangenheit, die eben keinen Schlußstrich erlaubt. Im Interesse der Wiederherstellung der kulturellen Vielfalt in den Vertreibungsgebieten ist eine Zusammenarbeit der Vertreiberstaaten mit der jeweils gewaltsam vertriebenen und der zum kleinsten Teile in ihrer angestammten Heimat verbliebenen ethnischen Minderheit zum gemeinsamen Wiederaufbau der ehemals hochstehenden Kultur und Kulturlandschaft dringend geboten. Ein kleiner Anfang wäre die gleichwertige Verwendung der tschechischen
und deutschen historischen Ortsbezeichnungen in der Topographie und die Anerkennung von herausragenden Persönlichkeiten Böhmens, Mährens und Österreichisch-Schlesiens gemäß ihrer jeweiligen tschechischen oder deutschen Volkszugehörigkeit, anstatt deren Verein-nahmung im Sinne der in Tschechien und der Slowakei nach Ende des Zweiten Weltkrieges dekretierten Staatsräson.
Die Sudetendeutsche Landsmannschaft in Österreich tritt für die Schaffung einer Europäischen Volksgruppencharta auf Grundlage der „Charta Gentium et Regionum – Brünn 1994“ ein und ersucht die zuständigen Gremien der EU sowie die Regierungen der Republik Österreich, Deutschlands, der Slowakei, Ungarns und Liechtensteins ,ihre oben dargestellten Forderungen gegenüber der Tschechischen Republik und der Slowakei unterstützen zu wollen.
Sudetendeutsche Landsmannschaft in Österreich (SLÖ)
