Für Schlesien und seine Menschen streiten
Aufruf für das Jahr 2005
Rudi Pawelka
Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien
Das Jahr 2004 hat eine weltweite Beachtung des deutschen Vertriebenenproblems gebracht, wie sie bisher noch nicht zu registrieren war. Ausgelöst wurde die umfangreiche Berichterstattung vor allem durch die Diskussion über die Eigentumsfrage in den Heimatgebieten. Aber auch das geplante Zentrum gegen Vertreibungen führte zumindest in Polen und Deutschland zu einiger Publizität, die häufig Informationen über die Vertreibung im Gefolge hatte.
Im Kern geht es um die Fragen, ob Deutschland an seine Opfer in würdiger Form gedenken darf und ob bestehende Menschenrechtsverletzungen an Deutschen angesprochen werden dürfen. Bisher hatte man sich in Polen daran gewöhnt, deutschen Politikern gegenüberzustehen, die dem Land die Opferrolle uneingeschränkt bestätigten. Einher gingen Entschuldigungen, Entschädigungszahlungen sowie das stete Entgegenkommen bei Forderungen durch Deutschland. Deshalb wird es noch einige Zeit in Anspruch nehmen, daß Polen sich in eine neue Rolle einfindet und auch die dunklen Seiten seiner Geschichte annimmt. Selbst wenn dieser Prozeß schmerzlich ist und einige Unruhe, auch in den Beziehungen beider Länder gebracht hat, ist dieser Klärungsprozeß notwendig, denn eine Zukunft kann nicht gestaltet werden, wenn offene Fragen nur zugeschüttet, aber nicht gelöst werden. "Endlich Schluß mit der Versöhnungstümelei", so formulierte es kürzlich ein polnischer Wissenschaftler während eines Seminars in Deutschland und ergänzte, daß es an der Zeit sei, endlich die nicht gelösten Fragen anzusprechen. Man kann dieser Einzelstimme nur zustimmen. Diese Erkenntnis sollte sich auch bei deutschen Politikern durchsetzen. Eine Unterstützung der polnischen Politik trägt dazu bei, daß Diskriminierungen an Deutschen sich verfestigen und nicht abgebaut werden, denn die polnische Seite sieht sich hierdurch in ihrem Tun bestätigt.
Die Vertriebenen selbst müssen gerade jetzt ihren Satzungszielen treu bleiben. Wer nur noch das kollektive Gedächtnis an das Vertreibungsverbrechen bewahren, sich für die Kultur Ostdeutschlands und Hilfen in der Heimat für jetzt dort wohnende Polen und Tschechen einsetzen will, der mißachtet die wichtigsten Anliegen. Im Zuge des Zusammenwachsens eines geeinten Europas, müssen die ungelösten Fragen eingebracht, muß über mißachtete Menschenrechte gesprochen werden. Auf Dauer wird europäisches Recht nicht weiter verletzt werden können.
In der Vergangenheit sind uns viele Versprechungen gemacht worden, die Umsetzunge postulierter Ziele war aber immer wieder auf eine spätere Zeit verschoben worden, auf eine politische Lageveränderung, die Verhandlungen ermöglicht. Nach der EU-Mitgliedschaft Polens und Tschechiens sind nunmehr die Voraussetzungen dafür gegeben, aber die Politiker ziehen sich zurück. Keiner will alte Versprechungen einlösen. Es gibt noch nicht einmal ein Aufbegehren gegen ein Minderheitengesetz in Polen, das diesen Namen gar nicht verdient, das zeigt, das Polen noch nicht europareif ist. Keine zweisprachigen Ortsschilder, diese sollen nur bei 50 % Minderheitenanteil möglich sein, keine Sprache der Minderheit als Hilfssprache bei den Behörden, gleichgültig wie groß die Minderheit ist, sind einmalig in Europa. Sie offenbaren, wie stark der Nationalismus in Polen dominiert. Leider schreckt dies unsere Parteien nicht davon ab, freundschaftliche bzw. partnerschaftliche Beziehungen zu nationalistischen Parteien in Polen zu unterhalten.
Die Landsmannschaft Schlesien steht in gutem Kontakt zu den Landsleuten in der Heimat. Sie ist Transformator der Anliegen der Deutschen in Schlesien in Deutschland und unterstützt diese Menschen vor Ort. Unsere Mitglieder haben nicht nachgelaßen, sich in Schlesien zu engagieren. Unsere Heimatgruppen leisten wertvolle Arbeit in den Herkunftsgebieten und haben sich auch in Partnerschaften eingebracht, die von ihnen häufig selbst initiiert wurden. Die Verständigungsarbeit ist trotz einer Verschlechterung der deutsch-polnischen Beziehungen weiter gegangen. Immer wieder hören wir, daß die Menschen vor Ort keine Schwierigkeiten haben selbst heikle Probleme zu besprechen. Es würde dort auch nicht stören, wenn der eine oder andere Deutsche wieder Wohnsitz in der Heimat nehmen würde. Was Spannungen entstehen läßt, ist die von oben verordnete Staatsräson, die auf nationales Abschotten setzt und den europäischen Gedanken mit Füßen tritt. Als Europäer sind wir alle dazu aufgerufen, an dem Europa der Menschenrechte mitzuarbeiten.
Die Schlesier haben in der Vergangenheit auch in stürmischen Zeiten immer für ihre Ziele zusammengestanden. Lassen wir uns auch jetzt nicht auseinander dividieren. Diejenigen, die uns von unseren Satzungszielen abbringen wollen, dies wird gegenwärtig maßiv versucht, dürfen keine Chance haben.
Zeigen wir durch unser Deutschlandtreffen vom 01. - 03.07.2005 in Nürnberg, daß mit uns zu rechnen ist. Schlesien und seine Menschen liegen uns am Herzen. Zeigen Sie durch Ihren Besuch in Nürnberg Solidarität! Deshalb rufe ich Ihnen schon jetzt zu:
Auf geht's nach Nürnberg.
Schlesien Glückauf
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