Sudetendeutscher Pressedienst (SdP)
Wien / Bonn, 7. Juni 2005/GE
Rechtfertigung der Vertreibung durch Tschechiens
Präsident Klaus - eine Ohrfeige für Europa
Zu den Äußerungen des tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Klaus, der in der gestrigen Prager Zeitung "Mlada fronta Dnes" die Vertreibung von drei Millionen Sudetendeutschen aus der Tschechoslowakei als "präventive Maßnahme" zur Verhinderung eines neuen Krieges und zur Bestrafung der Schuldigen bezeichnet, erklärte die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach MdB:
Die neueste Rechtfertigung der Vertreibung der Sudetendeutschen ist eine Ohrfeige für Europa. Tschechiens Präsident Vaclav Klaus stellt mit seinen Ausführungen für die Prager Zeitung "Mlada fronta Dnes", wieder einmal seine menschenrechtsfeindliche Haltung unter Beweis gestellt.
Wer versucht, Vertreibung in welcher Form und aus welchen Gründen auch immer zu rechtfertigen, zeigt, dass er von den menschenrechtlichen Standards der Europäischen Union nichts hält. Da hilft es auch nicht, wenn er feststellt, dass es auch "zu einer Reihe widerlicher Taten gegenüber Deutschen" gekommen sei, die "auch nach damaliger Sicht nicht gerechtfertigt gewesen" seien.
Mit seinem lapidaren Hinweis darauf, dass die Vertreibung "ausschließlich Wirkung, nicht Ursache" gewesen sei, zeigt Klaus, dass er das eigentlich Verbrecherische an einer Vertreibung gar nicht sehen will. Hier rächt es sich außerdem, dass sich deutsche Politiker bis heute jahrelang damit begnügt haben, die gesamte Problematik der Vertreibung der Sudetendeutschen mit einem Hinweis auf die Formel von Ursache und Wirkung abzutun. Hinter dem gleichen Formalismus versteckt sich Klaus und geht damit der Verantwortung seines Landes aus dem Weg. Es ist in hohem Maße erschreckend, wie einfach es sich offenbar viele Verantwortliche mit der Bewältigung der Vergangenheit machen.
Vertreibung ist und bleibt ein Verbrechen gegen die Menschenrechte. Menschenrechte sind unteilbar und gelten für alle. Wer nicht einmal bei einem zeitlichen Abstand von fast 60 Jahren bereit ist, dies zu akzeptieren, sondern im Gegenteil nach immer neuen Rechtfertigungen sucht, offenbart ein Gedankengut, das nicht in die Europäische Union gehört.
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