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Wien, 2. Mai 2005

Erklärung der Prager Versöhnungskonferenz

Auf der vom 15. bis 26. April stattgefundenen Versöhnungskonferenz der Christlichen Missionsgesellschaft wurde folgende beachtliche Erklärung verabschiedet:

An die Sudetendeutschen

Unsere lieben Landsleute, es beschwert uns die Vergangenheit der tschechischen Nation und des böhmischen Landes, welches noch vor 60 Jahren auch Ihr Land bzw. das Land Ihrer Eltern und Großeltern war.

Obwohl wir nichts darüber in der Schule gelernt haben: Die schreckliche Wahrheit über die grausame Rache der Nachkriegszeit an der deutschen Bevölkerung von Böhmen, Mähren und Schlesien, die vorwiegend ohne Rücksicht darauf geschah, ob und welche Schuld jemand hat, ist zu uns durchgedrungen. Wir wissen von Erniedrigungen, Verbrennungen, Hinrichtungen ohne Gerichte, Vergewaltigungen und auch von furchtbaren Todesmärschen. Unser Volk hat damals, vom Prinzip der Kollektivschuld ausgehend, für Sie Konzentrationslager vorbereitet, die mit den nationalsozialistischen vergleichbar waren, Lager, in denen gefoltert wurde und wo manche, besonders Säuglinge und alte Leute, an Unterernährung und Infektionskrankheiten starben.

Wir schließen uns an einige ähnliche Initiativen der letzten Jahre an, die gegenseitige Versöhnung anstreben. Wir bitten Sie, die Sie überlebt haben, und auch Sie, denen die Eltern und Verwandte von diesen Schrecken erzählten, als Tschechen um Vergebung. Vergeben Sie uns, bitte,
a.. das physische Leiden, durch das Sie hindurchgehen mußten;
b.. die tiefen seelischen Traumata, die manche von Ihnen durchlebt haben und die einige von Ihnen bis heute durchleben;
c.. den Verlust Ihrer Nahestehenden (die durch Tschechen ermordeten Sudetendeutschen zählen an die Zehntausende);
d.. den Verlust der Heimat;
e.. den Verlust des Eigentums.

Das alles geschah in einer beunruhigenden Einheit des tschechischen Volkes, aus dem sich nur einzelne zu Ihnen, den Deutschen, gestellt haben.

Es schmerzen uns auch die Kälte und auch die oft feindliche Haltung des größten Teils des tschechischen Volkes zu Ihnen und die mangelnde Bereitschaft unserer Politiker zum Dialog mit Ihrer politischen Repräsentation.

Die Taten unserer Großväter und Väter kann man durch nichts rechtfertigen. Wir empfangen eine gerechte Vergeltung: verödete Landschaft der Sudeten, 40 Jahre kommunistischer Totalität und auch nach ihrem Fall den fortgesetzten moralischen Verfall der tschechischen Gesellschaft.

Wir wissen, daß das, was geschah, durch nicht wiedergutgemacht werden kann. Die entsetzlichen Taten des tschechischen Volkes schreien bis heute zum Himmel. Wir möchten Ihnen gegenüber unsere tiefe Reue über das Schreckliche, was Sie erleben mußten, zum Ausdruck bringen. Wir wollen uns nicht nur entschuldige, wir bitten Sie um Vergebung. Nach Ihrer Vergebung und auch nach der Versöhnung sehnen wir uns!

Die Teilnehmer der Konferenz der Versöhnung
zwischen Tschechen und Sudetendeutschen

Die sudetendeutsche Volksgruppe war durch den Präsidenten der Sudetendeutschen Bundesversammlung, Dr. Werner Nowak, hochrangig vertreten.

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