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24.3.2006

Österreichische Parlamentarierdelegation würdigte Opfer des Brünner Todesmarsches

Eine Delegation des österreichischen Parlaments besuchte neben der Gedenkstätte zum Brünner Todesmarsch drei Begegnungszentren der deutschen Minderheit in Tschechien und informierte sich über ihre rechtliche Lage. Obwohl die deutsche Minderheit wegen der Beneš-Dekrete von der Restitution weitgehend ausgeschlossen ist, wird das Verhältnis zu den Tschechen als gut bezeichnet.

Die zweite Reise der österreichischen Parlamentarierdelegation nach Tschechien führte vom 27. bis 28. März 2006 über Pohrlitz, Brünn und Mährisch-Schönberg ins schlesische Troppau. Die Delegation wurde wieder vom Vertriebenensprecher der ÖVP, Norbert Kapeller, angeführt, der auch diesmal wieder Gerhard Zeihsel, Bundesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich (SLÖ), eingeladen hatte, die Delegation als Gast zu begleiten. Neben Kapeller gehörten noch Werner Kummer, Vertriebenensprecher der SPÖ, Anton Wattaul vom BZÖ und die grüne Menschenrechtssprecherin Terezija Stoisits der Delegation an.

Das erste Ziel der Reise war das Denkmal in Pohrlitz, wo ein offizieller Kranz des österreichischen Parlaments im Gedenken der Opfer des Brünner Todesmarsches niedergelegt wurde. Im Anschluss an die Kranzniederlegung konnte die Delegation von Frau Dora Müller, der Vorsitzenden des Deutschen Kulturverbandes Region Brünn, im Brünner Begegnungszentrum begrüßt werden. In einer sehr interessanten und thematisch umfangreichen Ansprache informierte Frau Müller die österreichischen Abgeordneten über die Geschichte der deutschen Volksgruppe in der Tschechoslowakei nach dem Zeiten Weltkrieg, über die sudetendeutsche Sozialdemokratie im 19. und 20. Jahrhundert und über die bewegte Vergangenheit der deutschen Kultur in Brünn. Im Hotel International fand dann ein gemeinsames Mittagessen statt, das den Delegationsteilnehmern die Möglichkeit bot, sich weiter über die Situation der deutschen Minderheit in Tschechien zu informieren.

Nach dem Besuch in Brünn machten sich die österreichischen Parlamentarier auf den Weg nach Mährisch-Schönberg, wo Herr Günter Ditz, dessen Vorfahren Mährisch-Schönberger waren, gemeinsam mit Herrn Walter Sitte, Vorsitzender des Verbandes der Deutschen in Nordmähren und im Adlergebirge, den Nachmittag und den Abend organisatorisch gestalteten. Zunächst gab es eine Führung durch die Altstadt, der im ehemaligen Deutschen Haus ein Abendessen folgte. Herr Sitte konnte der österreichischen Delegation den Bürgermeister von Mährisch-Schönberg, Zdenék Brož, vorstellen. Bürgermeister Brož machte dann im deutschen Begegnungszentrum die Geschichte der Stadt zum Gegenstand seiner Ausführungen und nahm bereitwillig zu den Fragen der österreichischen Parlamentarier Stellung. Der Fragenkatalog der österreichischen Abgeordneten reichte von der tschechischen Minderheitenpolitik bis zu jenen bilateralen Problembereichen, die aufgrund der Vertreibung der Sudetendeutschen zwischen Wien und Prag bestehen.

Am nächsten Tag fuhren die Abgeordneten über das Altvatergebirge ins schlesische Troppau. Der Weg nach Troppau führte durch dicht bewaldetes Gebiet, das sich über eine hügelige Landschaftskulisse erstreckt. War der Tag in Brünn von einer frühlingshaften Sonne begleitet worden, zeigte sich Troppau ähnlich wie Mährisch-Schönberg in einem winterlich grauen Gewand. In Troppau war Herr Hans Korbel der Gastgeber, der als Vorsitzender des Schlesisch-Deutschen Verbandes die österreichischen Gäste ins Troppauer Begegnungszentrum führte. Dort gab es zunächst eine angeregte Gesprächsrunde zur Lage der Deutschen im schlesischen Teil Tschechiens und zu den Erwartungen der deutschen Minderheit an die Republik Österreich. Beim gemeinsamen Mittagessen konnte der stv. Bürgermeister von Troppau, Jan Mrázek, begrüßt werden. Vor der Rückfahrt nach Österreich besuchte die Delegation einen christlichen Kindergarten und besichtigte die Troppauer Altstadt.

War die Atmosphäre der ersten Reise der österreichischen Abgeordnetendelegation nach Tschechien von den politischen Gesprächen im Regierungsamt, Senat und tschechischen Parlament gekennzeichnet, stand bei der zweiten die Begegnung mit Vertretern der deutschen Minderheit im Vordergrund. Dabei zeigte sich, dass man ein größeres Engagement der Republik Österreich für die Belange der deutschen Volksgruppe in Tschechien durchaus begrüßen würde.


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