Wien, 25. September 2006/GE
Zeihsel: Havel und Albright-Auszeichnung umstritten
Familie Albright rückte Nebrich-Bilder nicht heraus
Der frühere Präsident der Tschechischen Republik, Vaclav Havel, wurde am 23.
September in Passau gemeinsam mit der ehemaligen US-Außenministerin Madeleine Albright mit dem Menschen-in-Europa-Award der Verlagsgruppe Passau ("Passauer Neue Presse") ausgezeichnet.
Dazu erinnert der Bundesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich (SLÖ), Gerhard Zeihsel, dass schon in den neunziger Jahren Grauslichkeiten über die US-Außenministerin ans Tageslicht kamen. Die damalige Außenministerin der Vereinigten Staaten von Amerika, Madeleine Albright, sah sich mit einem Restitutionsstreit konfrontiert. Die Industriellenfamilie Nebrich – nach Österreich vertrieben - wurde unter dem Titel der Beneš-Dekrete enteignet. Der Vater Albrights, Josef Körbl, bekam von den neuen Herren in Prag das Familienpalais samt Inventar der Nebrichs übertragen. Dazu gehörte auch eine millionenschwere Bildersammlung, die heute noch im Besitz der Familie Albright ist. Die Nebrich-Nachfahren hätten zwar die rechtliche Möglichkeit gehabt, die Galerie nach US-Recht herauszuklagen. Praktisch war dies allerdings wegen des hohen Streitwerts unfinanzierbar. Anstatt die Sammlung freiwillig herauszugeben, ließen sich die Albrights von den tschechischen Behörden sogar noch eine Bestätigung ausstellen, dass sie die Bilder aufgrund der Beneš-Dekrete zu Recht besitzen würden.
Zu Staatspräsident a.D. Václav Havel
"Für Vertreibung nie entschuldigt"
Immer wieder ist die Meinung zu hören, Staatspräsident a.D. Václav Havel habe sich für die Vertreibung der Sudetendeutschen entschuldigt. In seinem nun in Prag erschienenen Buch “Prosim struènì" ("Bitte kurz fassen") stellt Havel aber richtig, dass es eine derartige Entschuldigung seinerseits nie gab. Auf Seite 101 schreibt er: "Empörung (auf der tschechischen Seite. Die
Red.) gab es über etwas, das nicht passiert ist, nämlich über die Entschuldigung des Präsidenten. Wir hatten damals einen großzügigen Plan zur Wiedergutmachung der Abschiebung, der niemanden verletzt hätte und für alle annehmbar gewesen wäre. Der wurde aber von der deutschen Seite abgelehnt.
Sie hielt ihn wahrscheinlich für zu mutig, und ich verdächtige ein bißchen Bundeskanzler Kohl, dass er ihn hat einschlafen lassen."
Aus diesen Gründen ist es für Zeihsel mehr als umstritten, dass Albrigth und Havel von der Verlagsgruppe Passau ausgezeichnet wurden!
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