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17 September 2006

Sudetendeutscher Heimattag in Wien und Klosterneuburg

Parteiensprecher für Lösung der Vertreibungsproblematik

Die Festrede hielt der bayerische Landtagspräsident a.D. Johann Böhm,Sprecher der sudetendeutschen Volksgruppe am 17. September 2006 in der Babenbergerhalle der Patenstadt der Sudetendeutschen – Klosterneuburg – u.a. führte er aus:

"Hans Rothfels, ein deutscher Jude, hatte sein Heimatland Deutschland in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts verlassen müssen. Er kehrte zurück. Und kümmerte sich fortan um die Problematik der Vertreibungen. Vertreibung macht Menschen zu Opfern. Sie ist Unrecht. Deshalb verurteilte er sie. 1946 sprach er den bedenkenswerten Satz: Wenn die laufenden Vertreibungen als Mittel der Politik anerkannt werden, welche Gewähr haben wir dann dafür, dass sie sich nicht anderswo wiederholen, z. B. auf dem Balkan?

Was er 1946 als Menetekel an die Wand geschrieben hat, trat anfangs der neunziger Jahre ein. Vertreibungen kamen wieder auf die Tagesordnung. Milosevic berief sich ausdrücklich darauf, dass ja auch die Tschechen ihre deutschen Mitbürger vertrieben hätten. Warum also werde jetzt er, werden die Serben, an den Pranger gestellt?

Damit ist eine groteske Situation angesprochen. Die westliche Welt verhindert jetzt Vertreibungen; sie bietet militärische Macht dagegen auf. Der Balkan war der Schauplatz für solche Gegenmaßnahmen. Aber die Ergebnisse schon durchgeführter Vertreibungen erfreuen sich höchster Anerkennung. Also: Laufende Vertreibungen: Nein. Erfolgte Vertreibungen : Darüber legen wir den Mantel des Vergessens."

Und Böhm meinte auch:
"Ganz allgemein gilt: Wo Unrechtsakte fortwirken, ist Politik zum Handeln aufgerufen. Die Opfer müssen ins Recht gesetzt werden. Diese haben gelitten oder leiden immer noch. Davor kann sich die Politik nicht drücken.

Sich um die Opfer zu kümmern, ist eine gesamtpolitische Aufgabe. Diese Aufgabe berührt auch das deutsche Selbstverständnis.

"Wir Deutsche werden erst dann mit uns und unserer Geschichte ins Reine kommen, wenn wir der Opfer in der eigenen Nation in gleicher Weise gedenken wie anderer Opfer", hat der Publizist Arnulf Baring gesagt. Er hat damit den Kern der Sache getroffen.

Die öffentliche Diskussion läuft bei uns nicht auf der Opfer– sondern auf der Täterseite. "Wer hat denn angefangen?", lautet die Frage. "Ihr wart es doch, wir haben nur reagiert". So entschuldigen sich jeweils die, die etwas angestellt haben. Das ist vergleichbar dem Verhalten kleiner Buben, wenn sie für Raufereien zur Verantwortung gezogen werden. "Wir haben nicht angefangen".

So hören es auch wir Deutsche. "Ihr habt den Krieg angefangen. Da war es doch ganz natürlich, dass wir zurückgeschlagen haben."

Die Kriegsschuld stellen wir Deutsche nicht in Abrede. Wir bekennen uns zu den deutschen Untaten. Avi Primor, der frühere Botschafter Israels in Deutschland, hat das bei einem Vortrag in München zum Ausdruck gebracht:

"Es gibt kein Land außer Deutschland, das durch Denkmäler nicht nur der Ruhmestaten, sondern auch der Untaten des eigenen Landes gedenkt".

Avi Primor ist ein unverdächtiger Zeuge."

Böhm sprach auch die Eigentumsfrage an:
"Nicht zuletzt fragen die vertriebenen Sudetendeutschen, warum sie nicht die Chance haben sollen, da oder dort ein Stück ihres alten Grundeigentums zurückzuerhalten, soweit es nicht durch Tschechen gutgläubig erworben, sondern noch im Staatsbesitz ist. Das bewegliche Eigentum – Wertsachen, Sparbücher, Möbel usw. sind ja ohnehin unwiederbringlich verloren.

Ungarn bietet solche Lösungen längst an; ebenso tut es Kroatien. Warum bleibt Tschechien völlig unbeweglich? Warum soll die Forderung nach Wiedergutmachung ungebührlich sein? Sie ist doch ganz normal. Manche sehen das anders. Vor allem diejenigen, die nichts verloren haben." Dann warnte er:

"Die früher von den Sudetendeutschen bewohnten Gebiete werden die Neubürger immer daran erinnern, dass hier Deutsche jahrhundertelang aufgebaut haben und dann rausgeworfen worden sind.

Das ist ein Problem der Tschechen. Das müssen sie selbst lösen. Ob sie dazu die Kraft haben? Wir wünschen es ihnen.

Sie haben nicht mehr viel Zeit zum Handeln. Aber Akte der Wiedergutmachung würden Frieden schaffen. Und Beständigkeit. "Nichts ist dauerhaft gelöst, was nicht gerecht gelöst ist" hat Abraham Lincoln gesagt. Er wusste, was er sagte!"

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