German World Alliance / Deutsche Weltallianz

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November 2006

Nachrichten aus Südamerika

Viertes Treffen der Deutschen Gemeinschaften Latein-Amerikas

Schon vor zwei Jahren hatte man sich darauf geeinigt, daß im Jahr 2006 Argentinien Gastgeber des IV. Treffens sein würde und zwar bei den deutschen Siedlungen der Wolgadeutschen der Provinz Entre Ríos. Daher liefen schon seit geraumer Zeit bei dem Dachverband FAAG und der Vereinigung der Wolgadeutschen AADAV (Asociación Argentina de Descendientes de Alemanes del Volga), die Vorbereitungen für das Treffen in Parana, welches zwischen dem 7. und dem 9. September stattfand.

Die große Arbeit hatte nach den Sommerferien begonnen, mit den Einschreibungen der Redner. Wie bei noch keinem der anderen drei Treffen ( Montevideo, Santiago, Blumenau ) war das Interesse so groß, daß man eine Auswahl treffen mußte; obwohl man das Programm schon zeitmäßig „langgestreckt“ hatte, indem man früher anfing und später aufhörte. Diejenigen, die dieses Mal nicht dabei sein konnten, wurden für das nächste Treffen vorgesehen.

Da einige der Vortragenden seit dem ersten Treffen mitmachen, reisten sie schon am Mittwoch an und daher wurde schnell ein gemeinsames Fisch-Abendessen organisiert, zur Auffrischung des gegenseitigen freundschaftlichen Kontaktes unter den Teilnehmern.

Als am Donnerstag das Treffen begann, waren im Vorraum des Konferenzsaales zahlreiche Bilder von Gunther Plüschow zu sehen, da, anlässlich des 75. Jahrestages seines Absturzes, sein damals erschienenes Buch, ins Spanische übersetzt, von Roberto Litvachkes vorgestellt wurde. Für Vortragende bestand die Möglichkeit ihre Bücher dem Publikum zu zeigen und einige hatten davon Gebrauch gemacht. Aber was die Integrierung der Jugend mit diesem Treffen klar darstellen sollte, war die Ausstellung von den Weihnachtsmotiven, die, anläßlich des 10. Preisausschreibens der FAAG, von den der AGDS angeschlossenen Schulen eingeschickt worden waren.

Am Donnerstag Nachmittag begann, mit der offiziellen Einweihung im Hotel Mayorazgo, das vorgesehene Programm. Ehrengäste waren, Gesandter Stefan Schlüter und Gesandter Mag. Thomas Schuller-Götzburg, in Vertretung der deutschen, bzw. der österreichischen Botschaften, zusammen mit dem Kultursekretär der Provinzregierung, Roberto Romani, die Provinzabgeordneten Alicia Haidar und Oscar Herdt, und der Bürgermeister Julio Solanas. Der Organisator des 1. Treffens, Pietro Sandri Poli, hatte sich entschuldigen lassen und eine Grußbotschaft gesandt. So auch die DWA-Deutsche Welt Allianz (Kearn Schemm, Marianne Bouvier) , der VDA-Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland (Alexander Klein, Gerhard Landgraf, R. Maywald), die Deutsche Rundschau Kanada (Juri Klugmann) und Klaus Mill von Metzen (Uruguayische Mennoniten).

Als „Hausherr“ der Wolgadeutschen begrüßte José Gareis, eingangs, die vielen Teilnehmer. Denn auch in der Zahl überstiegen die Zuhörer die der bisherigen Treffen. Danach richtete sich Rudolf Hepe, als Leiter des Organisations-Komitees an die Anwesenden und betonte, daß diejenigen, die Institutionen leiten, nicht da seien, um die alltägliche Routine zu verwalten, sondern um neue Ideen zu konkretisieren, wie dieses Treffen es sei. Es folgten Bürgermeister Julio Solanas und Kultursekretär Roberto Romani, die ihre Freude ausdrückten über die auf Parana gefallene Wahl. Mag. Thomas Schuller-Götzburg (Österreichische Botschaft) und Stefan Schlüter (Deutsche Botschaft) betonten die Unterstützung der Botschaften in ganz Lateinamerika zu dieser Art Treffen, wegen der Vielfältigkeit der angeschnittenen Themen.

Fabian Corrotti, der sich beim Treffen in Montevideo schon als Moderator bewährt hatte, übernahm wieder diese Aufgabe, zur Zufriedenheit aller. Insgesamt waren vierzehn Vortragende aus dem Ausland und 20 argentinische vorgesehen.

Monica Hoss de le Comte begann die erste Serie von Vorträgen mit ihrem bebilderten Referat über Johann Moritz Rugendas, dem Maler Lateinamerikas, der mit der Expedition des russischen Grafen von Langsdorff nach Brasilien reiste und so vom Kontinent gepackt wird, daß er danach ganz Amerika, von Mexiko bis Chile und Argentinien bereist und in seinen Bildern Landschaften, Menschen und Bräuche festhält und damit ein kulturelles Archiv herstellt. Im Ibero-Amerikanischen Institut in Berlin und in Privathänden, weltweit, sind heutzutage seine über 3000 Werke verteilt.

Die Deutschen in Misiones ist der Titel seines letzten Buches und darüber sprach Konsul Rolando Kegler. Das Buch soll eine Art Wegweiser zum Thema sein, da keine umfassende Information über die verschiedenen deutschen Einwanderergruppen bestand.

Julio Luqui Lagleyze ist ein anerkannter Geschichtsprofessor, der sich auf Marinethemen spezialisiert und so wurde sein mit Fotos untermauerter Vortrag über die Beziehungen der deutschen und argentinischen Kriegsmarinen, 1900 – 1945 mit Interesse verfolgt. Es sind klar drei Etappen in diesen Beziehungen festzustellen, auf die er aus technischer Sicht einging und erklärte, wie die Berichte der argentinischen Marienattachés den Kauf von Kriegsschiffen zu Gunsten der sich damals ständig modernisierenden deutschen Werften beeinflussen konnten.

Ein Digital-Archiv mit Fotos von deutschen Familien die in Patagonien gelebt haben wird von Hans Schulz zur Zeit geschaffen und hat ihren Sitz in der Deutschen Schule Bariloche. Dieses Archiv soll allgemein zugänglich sein, um Interessenten bei ihrer Forschung zu helfen. Die bis jetzt gesammelten Erfahrungen stehen auch anderen Institutionen zur Verfügung und man hat auch eine spätere Internet-Vernetzung vorgesehen.

Rene Smith sprach über die Schulung bei deutschen Familien auf dem Land in Entre Ríos, und stellte fest, daß der sogenannte Kamplehrer von Familien aller Glaubensgemeinschaften in Anspruch genommen wurde. Auf jeden Fall stand immer ein religiöser Hintergrund bei der Wahl Pate. In seinem Vortrag setzte er die Betonung auf die Adventisten. Obwohl die Behörden starken Druck auf die Kamplehrer ausübten, um sie in das argentinische Schulsystem zu integrieren, wurde auch anerkannt, daß sie viel zur Verbreitung der Kultur beigetragen haben.

Grenzen einer eigenen Identität, die Deutsch-Brasilianer, nannte sich der Vortrag von Maria Cecilia Gallero de Urfer, die auch schon an der Tagung in Montevideo teilgenommen hatte. Unter den verschiedenen Einwanderergruppen deutscher Abstammung in Misiones haben diese „Teuto-Brasileños“ eine ganz eigene Charakteristik beibehalten, da sie – obwohl in Brasilien geboren – als Deutsche eingestuft werden. Ihre angestammten Bräuche und die in Brasilien gesammelten Erfahrungen haben Einfluß auf ihr Handeln und ihre Beziehungen zur Gemeinschaft im allgemeinen gehabt.

Daniel Yost schilderte in seinem Vortrag Gesangverein Harmonie, Geschichte einer Integration, wie, im Laufe von 130 Jahren vom ursprünglichen Männergesangverein ein allgemeiner Gesangverein wurde, der wichtige Projekte realisierte wie „Der Verflossene“ u. A. Der Gemischte Chor würde sich freuen, Aufführungen in anderen Städten und Kulturvereinigungen zu haben, man solle sich nur an sie wenden.

Das Deutschlandbild der Argentinier. Konzepte für eine deutsche Öffentlichkeitsarbeit im Ausland unter Mitwirkung der deutschen Vereinigungen wurde von Hartmut Hentschel analisiert mit der Schlussfolgerung, daß in dieser Hinsicht das gute Meinungspotential, welches man von den Deutschen im allgemeinen hat, nicht richtig ausgenutzt wird. In puncto Öffentlichkeitsarbeit sei noch viel zu leisten.

Am Freitag

Am frühen Morgen des Freitags begann Carlos Koll die Vortragsserie mit seinem Referat über die von der AGDS – Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schulen geleistete Arbeit. Man erfuhr, wie sich die AGDS gestaltet und wie sich die Schüleranzahl um rund 1.000 Schüler pro Jahr vergrößert, sodaß die Grenze von 18.000 Schülern erreicht wurde und zum ersten Mal eine von der AGDS ungewünschte Warteliste eingerichtet wurde. Die Verbindung zum vor kurzem gegründeten Weltverband Deutscher Schulen wurde auch erklärt.

Aus den Vereinigten Staaten war Jerome Siebert , Vorsitzender der AHSGR (American Historical Society of Germans from Russia), angereist, der einen Vortrag über Russlanddeutsche in Kalifornien; Vergangenheit u. Gegenwart, hielt. Seine Vereinigung stehe über das Internet allen zur Verfügung.

Packend war der Vortrag von Christine Gleisner, der jungen Leiterin des Emil Held Winkler – Archivs des Deutsch-Chilenischen Bundes, über den sie referierte. Es begann nämlich als Emil Held Winkler mit seinem tonnenschweren Archiv nach Deutschland reiste und an zwei Stellen erfolglos anbot. Daraufhin begab er sich mitsamt seinem Archiv wieder nach Chile und kam zu einem Einverständnis mit dem DCB. Eine interessante Übersicht, wie man historische Dokumente „behandelt“ rundete den Vortrag ab.

Und dann war Jorge Wolfgang Globig dran, einer der wenigen, die bis jetzt an allen vier Treffen teilgenommen haben. Sein Vortrag lautete Deutsche Verbände seit dem Brasilianischen Kaiserreich und schilderte, wie schon zu Zeiten des brasilianischen Kaiserreiches, von Rio Grande do Sul der Impuls ausging, einen Verband der deutschen Vereine zu gründen. Wie sich dann die politischen Änderungen, sowohl in Brasilien, wie auch in Deutschland, auf das Gemeinschaftsleben und ihre Institutionen auswirkte, Weltkriege und Vargas-Diktatur (gleich Verbot der deutschen Sprache) eingeschlossen. Ihren Höhepunkt erlebte die deutsch-brasilianische Gesellschaft 1924, zum 100. Jahrestag der ersten Einwanderung. Nach dem II. Weltkrieg wurde dann, neuorientiert, die FECAB - Federação dos Centros de Cultura Alemã no Brasil gegründet.

Wie weit schon diese Treffen bekannt sind, zeigte der folgende Beitrag : Petropolis und Juiz de Fora, 148 Jahre deutsch-brasilianische Beziehungen, lautete der von Nilo Franck gehaltene Vortrag. In beiden Städten ist die deutsche Präsenz sehr markant und für den Redner ein ausschlaggebender Grund, damit Petropolis, die Sommerresidenz des brasilianischen Kaiserreiches, als Austragungsort des 6. Treffens, also genau zum ihrem 150. Jubiläum, ernannt wird.

Nach dem I. Weltkrieg war es Prof. Hugo Junkers der, wegweisend, Neuentwicklungen seiner Flugzeuge für den zivilen Transport einsetzte, wie die Typen F-13, K-16 und A-20. Eine unter den Namen Junkers-Mission bekannte Gruppe schuf Ende der 20ger und Anfang der 30ger Jahre die ersten Flugverbindungen in Chile, Bolivien, Kolumbien und auch Argentinien. Über das argentinische Kapitel dieser Mission gab die Luftfahrthistorikerin Carina Villafañe einen sehr ergreifenden Vortrag. Fotos der damaligen Flugzeuge der seinerzeit entstandenen Fluggesellschaften (LAN, LAB, SCADTA) wechselten mit den heutigen der gleichen Gesellschaft ab. Zum Schluß gedachte sie noch der 75. Jubiläen der Abstürze von Gunther Plüschow/Ernst Dreblow und Myriam Stefford/Ludwig Fuchs. Zum letzteren hat sie ein Buch und eine TV-Sendung für die Schweiz in Vorbereitung.

Der Bürgermeister von Colonia Tovar, Venezuela, Esteban Bocaranda Bravo, gab einen mit Fotos untermalten Vortrag über seine Stadt, wo das V. Treffen der Deutschen Gemeinschaften nächstes Jahr stattfinden wird. Mit den heutigen Techniken wurden die aktuellen Bilder den geplanten Verbesserungen angepasst (z.B., Kabelgewirr vs. unterirdische Leitungen; Flachdächer vs. Giebeldächer, usw.) um eine Idee zu geben, was man vorhat. Die inmitten der Berge um Caracas gelegene Stadt hat durch die lange Isolierung ihren typisch deutschen Charakter erhalten und man strengt sich an, denselben zu erhalten. Man hat schon erreicht, daß die Gemeinde zur historischen Stätte erklärt wurde.

Danach folgte Elena Levin, die mit dem Vorlesen des Vorwortes zu ihrem Buch über die deutsche jüdische Einwanderung in Argentinien, 1933/1939 begann. Ihr Buch basiert auf einer Zusammenstellung von Gesprächen mit damals eingewanderten deutschen Juden und wie die seitdem vergangenen 70 Jahre sie in der neuen Heimat Argentinien integriert haben, ohne die Verbindungen zum deutschen Kulturgut zu vergessen.

Guillermo Arrese Godbersen schilderte in seinem Vortrag die Problematik der ca. 400.000 Peruaner deutscher Abstammung, denen es unverständlich vorkommt, daß, z.B., die deutsche Botschaft nicht die kulturellen Belange der deutsch-peruanischen Institutionen unterstützt, oder, wie deutsche Bestimmungen nach und nach die Möglichkeit einer deutschen Staatsangehörigkeit blockieren.

Auf ersten Blick, so meint Altair Reinehr, scheint das Übersetzen eine einfache Sache zu sein. Doch in der Praxis ist es ganz anders, da auch – je nach Gegend – in der Fremdsprache, das gleiche Wort eine andere Bedeutung haben kann. Daher lautete sein Vortrag, den er mit humorvollen Beispielen untermalte: Übersetzungen: Dem Sinn oder dem Geiste nach?

Eindrucksvoll war der Vortrag von Andreas Prediger, einem wolgadeutschen Maler, der eigens aus Deutschland angereist war und der im Vorraum einige seiner Bilder ausgestellt hatte, die die ganze Dramatik der Wolgadeutschen unter J. Stalin krass und ausdrucksvoll darstellen. Man erkennt in den Bildern einen Teil der Qualen, denen die Russlanddeutschen ausgesetzt wurden, wobei die selbsterlebte Deportation nach Sibirien wohl das Härteste ist – mußte er doch zusehen, wie Eltern und Geschwister vor Hunger umkamen, während ringsherum die Getreidefelder von den Sowjets verbrannt wurden.

Otto Carlos Stoetzer brachte ein sehr interessantes Thema, mit dem Titel Der Einfluss Carl Christian Friedrich Krauses in Ibero-Amerika. Dieser in Deutschland fast unbekannte Philosoph fand über Frankreich und Spanien den Weg nach Süd-Amerika, als sogenannter „Krasismo“. Die Grundideen dieser philosophischen Linie haben bei der Redaktion der Verfassungen und bei der eingeschlagenen Richtung von vielen Regierungen (in Argentinien, Yrigoyen, Illia, Alfonsin, u. A.) bis in unsere heutigen Tage Pate gestanden.

Ein weiterer, der bis jetzt an allen vier Treffen teilgenommen hat und jedes Mal mehr Leute begeistert, mitzumachen, ist der Venezolaner Leopoldo Jahn Montauban. So ist es auch nicht verwunderlich, daß das Geschichts- u. Genealogische Archiv in Colonia Tovar von ihm gefördert wird. Was bis jetzt alles erlangt wurde, war das Thema seines Vortrages. Er möchte aber, daß alle „Colonieros“ dieses Archiv, welches vor kurzem eingeweiht wurde, als eigenes betrachten, daß daraus ein Gemeinschaftsprojekt wird, an dem alle mitarbeiten, um den deutschen Charakter der Siedlung zu zeigen, damit Interessenten, weltweit, Informationen erhalten können.

Schon seit einiger Zeit arbeitet Regula Rohland de Langbehn an einem Katalog der in Argentinien herausgegebenen deutschen Bücher. Da sie vermutet, daß, außer der von ihr schon registrierten ca. 800 Veröffentlichungen, im Innern des Landes einige noch nicht erfasst wurden, bat sie um Mithilfe, diese ausfindig zu machen. Sie steht in Kontakt mit der Deutschen Bücherei in Leipzig.

Über die deutschen Brauereien im Zusammenhang mit der deutschen Einwanderung von 1850 bis 1946 in Rio Grande do Sul versierte der Vortrag von Arno Mueller. Zur vorherigen Jahrhundertwende gab es, allein im Staate Rio Grande do Sul mehr als 30 Brauereien. Im ganzen gab es an die 130, die größtenteils durch Fusionen und Aufkäufe heute nicht mehr existent sind. Aus persönlichen Gründen war Arno Mueller verhindert und daher wurde sein Vortrag freundlicherweise von Jorge Wolfgang Globig vorgetragen.

Monte Carlo, auf halbem Wege zwischen Posadas und den Iguazu-Wasserfällen ist in Misiones ein gutes Beispiel für deutsche Einwanderung. Die in dieser Stadt lebenden Juan Plocher und Guillermo Aicheler boten einen geschichtlichen Rückblick seit er Ankunft der ersten deutschen Siedler, 1920. Mit Fotos aus jenen Zeiten zeigten sie auf, mit welchen Materialien die Siedler ihre ersten Wohnungen erstellten und wie sie sich organisierten, um sich gegenseitig zu helfen.

Und am Samstag

Über die Deutsch-Brasilianer in Misiones und ihre häusliche Organisation sprach, am Samstag Vormittag, Leonor Kuhn, und zwar aus eigener Erfahrung, stammt sie doch von Teuto-Brasilianern ab. Diese besondere Einwanderer-Gruppe, weil sie über Brasilien nach Argentinien gelangt war, hat immer besonderen Wert darauf gelegt, Grund und Boden zu besitzen, wahrscheinlich wegen der in Brasilien durchgemachten Erfahrungen.

Rene Krueger packte die Zuhörer mit seinem Referat über wolgadeutsche Sprichwörter, ins Spanische angepasst. Anhand von zahlreichen Beispielen, die er im Laufe seiner Tätigkeit registriert und dann analysiert hat, ist er zu der Schlussfolgerung gekommen, daß die größte Zahl noch aus dem Deutschland von vor ca. 200 Jahren stammt, daß rd. 100 Jahre an der Wolga wenige neue dazugebracht haben und, daß es fast keine wolgadeutsch-argentinischen Sprichwörter gibt. Auf jeden Fall sei der Einfluß der Religion bei allen bemerkbar.

Esperanza, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieser Stadt, die gerade ihr 150. Jubiläum feiert, war das von Jose Jennerich Bianco angekündigte Thema, welches er mit einem von der Stadtverwaltung zusammengestellten Videoprogramm einläutete und mit einer Broschüre über den Deutschen Verein vervollständigte.

In seine Uniform gekleidet, bot Dietrich Angerstein einen allgemein zusagenden Bericht über die Deutschen Feuerwehrkompanien in Chile, der mit Bildmaterial untermauert wurde, hauptsächlich von der 15. Kompanie. Alle Kompanien sind landesweit integriert. Man hat Kontakt zu Deutschland und man sucht Kontakt zu anderen deutsch-südamerikanischen Feuerwehrkompanien, wie es mit Paraguay geschieht, wo Interessenten in Chile trainiert werden. Mit Hilfe Deutschlands erbaut man ein modernes Kontrollsystem, welches in Kürze eingeweiht wird.

Eine Heimat für Heimatlosgebliebene; wie haben die evangelischen Wolgadeutschen dieses Thema bewältigt, war der Titel vom Vortrag von Daniel Beros. Da er leider verhindert war, trug freundlicherweise Rene Krueger diese interessante Arbeit vor, sodaß dieselbe nicht ausfiel.

Deutsche Kultur und Sprache in Misiones, einst und jetzt. Kein leichtes Thema und doch wurde es einfach und klar von Gisela Wachnitz vorgetragen und alle haben den großen Einsatz kennen gelernt, den sie und ihre Mitarbeiter heutzutage leisten. Nicht nur Unterricht steht auf ihrem Programm, sondern auch Theatergruppen, Schüleraustausch und die Möglichkeit Zivildienst zu leisten. Die Zusammenarbeit mit dem VDA - Verein für deutsche Kulturbeziehungen im Ausland ist dafür eine große Stütze.

Und dann kam, als letztes, das Video über die Wolgadeutschen Siedlungen in Argentinien, welches von Jose Gareis einführend erklärt wurde. Ein Streifzug durch die wichtigsten Siedlungen mit sachbezogenen Interviews gemixt, zeigte auf, was im Laufe der Zeit geschaffen wurde, was erhalten bleibt und was nicht. Eine Wiederbelebung der wolgadeutschen Identität sei gewünscht und man arbeite daran.

Aus Kolumbien hatten – obwohl sie nicht persönlich dabei sein konnten - Carlos Lindemeyer und Guillermo Rubio Vollert einen Vortrag über die deutsche Präsenz in der Kolumbianischen Karibik, 1880/1927 eingesandt, der aber, aus organisatorischen Gründen, auf das kommende Treffen in Venezuela vertagt wurde. Das Gleiche gilt für den Vortrag über die 70 Jahre Mennoniten in Brasilien, von Egon Robert Enns, welches nicht rechtzeitig eintraf.

Die eingeflochtenen Frage-Antwort-Momente gaben, während der drei Tage, jeweils Gelegenheit um zu den vorangegangenen Vorträgen Fragen zu stellen, was auch zu regen Meinungsaustausch führte. Ein Beweis dafür, daß sich das Publikum die Vorträge mit Interesse anhörte. Und in den Pausen – bei Kaffee, Kuchen, Bier und Aufschnitt - wurde vielen der Redner noch zusätzliche Fragen gestellt.

Die Zeit war viel zu schnell dahingeflossen, als zum Abschluss-Gespräch aufgerufen wurde. Bürgermeister Esteban Bocaranda Bravo und Leopoldo Jahn Montauban sprachen offiziell die Einladung zum V. Treffen aus, welches in Colonia Tovar, Venezuela, um den 11. November 2007 stattfinden soll. Es wurden Fragen gestellt und man gab sich dem Gedanken hin, auch nächstes Jahr dabei zu sein, denn, wie die Venezolaner - die 18 an der Zahl waren – treffend feststellten, sei doch die Distanz die gleiche, ob sie von Venezuela nach Argentinien, oder umgekehrt gemessen werde.

Die Organisatoren der vorangegangenen Treffen, Rolf Fiebig (Chile) und Jorge Wolfgang Globig (Brasilien) sprachen sich ebenfalls positiv aus. Nothburga Schmidt Schuler aus Perú plädierte für die Austragung des VII. Treffens in Lima, zum 150-jährigen Jubiläum der ersten deutschen Einwanderung, im Jahre 2009. Und, sobald durch die kommenden Wahlen in Brasilien die Bürgermeister von Petropolis und Juiz de Fora ermittelt sind, wird auch das Projekt, 2008 das VI. Treffen dort zu organisieren, konkretere Formen annehmen. Wie man sieht, erobert sich dieses Treffen einen festen Platz in der Jahresagenda.

Wolgadeutsches Fest zum Abschluß

Jede der Wolgadeutschen Kolonien aus der Umgebung hatte dazu beigetragen, um dem IV. Treffen einen festlichen Abschluß zu geben. Nach einem Besuch durch die anliegenden Dörfer gab es einen Umzug in traditionellen Trachten auf von Pferden gezogenen Wagen. Die Krönung war dann das gemütliche Beisammensein im Festsaal von Aldea Valle Maria (gleich Mariental). Ein unvergessliches Erlebnis, wo eingangs eine typische Hochzeit dargestellt wurde. Ein gut serviertes Essen und zwei bekannte Orchester rundeten den Abend glänzend ab, ehe man sich, am nächsten Tag, wieder nach Hause begab.

Rudolf Hepe

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